Tallinn

– Esprit an der Ostsee

Tallinn – Esprit an der Ostsee


Denkt man an Städtereisen, so sind die Metropolen London, Berlin oder Paris oftmals im Fokus. Auf der Suche nach einem für mich noch unerschlossenen Ziel stieß ich vor einigen Monaten auf Tallinn, der Hauptstadt Estlands, einem der drei baltischen Staaten an der Ostsee.
Ende August 2018 war es dann soweit.
In knapp zwei Stunden haben wir im Direktflug Tallinn erreicht. Schon beim Anflug erkennt man das satte Grün und den Waldreichtum dieses Landes – dies muss auch einer der Gründe dafür sein, dass von der Weltgesundheitsorganisation WHO der Stadt Tallinn die beste Luftqualität im vergleich zu anderen europäischen Städten zuspricht.  Der Flughafen wirkt geradezu provinziell, dies aber keinesfalls negativ gemeint. „Alles sehr entspannt“ – so sollten wir Tallinn und seine Einwohner in den kommenden vier Tagen kennen lernen.
Für die Fahrt mit den öffentlichen Verkehrsmitteln haben wir eine Drei-Tages-Karte gekauft – Preis 5 Euro, also vergleichsweise zu anderen Städten sehr preiswert.

Kambodscha - Flagge Hand

Tallinn ist mit 430.000 Einwohnern keine große Stadt. Anders als Madrid oder New York empfand ich Tallinn nicht so konsumierend – das regelmässige Heulen der Sirenen von Rettungswagen oder intensivem Strassenverkehr erlebt man hier nicht. 

…flugs ins Hotel, einchecken und dann gleich ab in die Altstadt – dem Juwel von Tallinn.
Auch wenn man sich erst einmal zurecht finden muss, verschmilz man recht schnell mit diesem Fleckchen Erde. Die Menschen sind sehr freundlich und offen – mit Englisch kommt man hier hervorragend durch. Auf meine Frage, wie das sein könne, fand eine junge Estin klare Worte: „Wir sind ein kleines Volk, welches im Begriff ist, sich intensiv zu entwickeln. Englisch als verbindende Sprache schafft Netzwerke“. Ihre Worte gingen mir nach – dem Volk der Esten von 1,3 Millionen Menschen, welches über Jahrhunderte Fremdbestimmt war, ist der Hunger nach Entwicklung förmlich anzumerken.

Die Ursprünge Tallinns stammen aus dem 13. Jahrhundert, als dort durch die Kreuzritter des Deutschen Ordens eine Burg erbaut wurde. Seine spätere wichtige Stellung in der Hanse und der damit verbundene Reichtum führte zu einer Opulenz der öffentlichen Gebäude (der Kirchen im Besonderen) und einer entsprechenden Architektur der Kaufmannshäuser.
Wir nutzten den ersten Nachmittag bei grandiosem Wetter uns mit der Innenstadt vertraut zu machen. Sehr viele der wichtigsten Sehenswürdigkeiten der Stadt sind fussläufig zu erreichen. Einen nicht unbeträchtlichen Teil der Einwohner Tallinns bilden russisch-stämmige Menschen – viele von Ihnen wurden zum Teil nicht freiwillig während der Sowjetära hierher verpflanzt.  Wir besuchten die prächtige russisch-orthodoxe Alexander-Newski-Kathedrale und den weithin sichtbaren „langen Herrmann”, das Wahrzeichen Tallinns. Dies ist einer der mittelalterlichen Ecktürme des Schlosses auf dem Domberg. Er ist Teil des Schlosses, in dem das estnische Parlament sitzt, einem sehr, sehr langweiligen Ort, wie die Dame am Empfang uns mit einem Schmunzeln attestierte.

Tallinn - Stadttor
Tallinn_Altstadt
Tallinn - Stadtmauer
Tallinn- Alexander-Newski-Kathedrale

Klassik gepaart mit Moderne

Die die Altstadt umgebende Stadtmauer ist in seinem Zustand zum Teil grandios erhalten. Die ursprünglichen Beobachtungstürme geben einzigartige Blicke auf die Altstadt, den Hafen und die nächste Umgebung preis. Ja, selbst der Blick in die Küche einer Tallinner Familie mit Saftpresse, Eierkocher und Toaster wirkte phantastisch – hier leben tatsächlich ganz normale Menschen in dieser mittelalterlichen Stadt.
Den Abend ließen wir in dem stylischen Restaurant „Pull“ im aufstrebenden Stadtviertel Rotermann ausklingen. Dieses Areal in unmittelbarer Nähe zum Hafen ist stark vom Strukturwandel betroffen. Während im 19. Jahrhundert Fabriken, Kaufhäuser, Mehl- und Graupenmühlen angesiedelt waren, verloren diese in der Zunft an Bedeutung und das Gebiet wurde sich selbst überlassen. Jüngst wurde diese Region der Stadt revitalisiert – die ursprüngliche Gebäudestruktur wurde hierbei erhalten und die Kombination aus klassischen Hafengebäuen mit modernen Elementen ist sehr geschmackvoll und wirklich toll gelöst.
Unser Restaurant war in einem vormaligen Mehrspeicher untergebracht. Echt einzigartig.

Der Ernst des Lebens beginnt

Auch in Tallinn gibt es Einschulung – hier jedoch etwas anders als bei uns.
Die Kinder sind hier in Uniform, die Jungs und Mädchen tragen hier Schirmmützen, die das Wappen der Schule tragen. Alles sehr geschmackvoll – die Kinder scheine sehr stolz auf Ihr Uniform. Die älteren Mädchen tragen zudem einen Schulring, haben wir selbst erfahren.
Mit Blumen für die Lehrerin in der Hand traten die Kinder nach der Begrüßung im Klassenzimmer den Weg zur Kirche, begleitet durch die Eltern und Geschwister.

Unser eigentliches Ziel für den Tag war der Bali Jam Burg – der Baltische Bahnhof Markt.
Es handelt sich um den modernsten Markt seiner Art in Estland und vereint eine ungewöhnliche Auswahl an Produkten unter einem Dach, von Kinderbekleidung bis zu leckerem Street Food. Hier finden Sie auch einen Supermarkt, ein Fitnessstudio, einen Friseursalon, Obst- und Gemüsestände, die größte Auswahl an Fleisch und Fisch im Land und eine Reihe von Cafés. Der neue Markt fungiert auch als eine Art Gemeindezentrum, das Einheimische zum täglichen Einkauf anlockt. Seine einzigartige Atmosphäre, seine faszinierende Auswahl an Antiquitäten und seine Brauerei machen ihn auch für Touristen interessant.

Tallinna Teletorn & Kadriorg Park

Für unseren letzten Tag in Tallinn stand der Tallinna teletorn auf dem Programm. Der etwas ausserhalb der Stadt gelegene Fernsehturm Tallinn bietet eine tolle Möglichkeit über die Stadt hinweg zu sehen. Auf dem Rückweg haben wir noch den Kadriorg Park „mitgenommen“: Nachdem der russische Zar Peter der Große in den frühen Jahren des 18. Jahrhunderts die baltischen Staaten erobert hatte, errichtete er einen Landsitz mit einem öffentlichen Park auf diesem Gelände. Er benannte das Gebiet Ekaterinenthal (Katharinental oder Kadriorg auf Estnisch) nach seiner Frau, Katharina I. Der damals erbaute Barockpalast und die umliegenden Wälder, Teiche und Springbrunnen sind auch heute noch die Hauptattraktionen dieses Stadtteils.
Meine Empfehlung ist, den Park gleich morgens nach dem Frühstück zu besuchen. Es sollten dann wenige Besucher da sein und man hat den Palastgarten fest für sich alleine.

Tallinn hat mich betört! Eine Stadt mit sehr viel Esprit, eine Stadt, die für ihren Platz in Europa viel unternimmt und sich in seiner rasanten Entwicklung seit der Unabhängigkeit Estlands keinesfalls hinter anderen westeuropäischen Metropolen verstecken muss.

Tipp:
Es mag auf den ersten Blick recht touristisch erscheinen – das mittelalterliche Restaurant Olde Hansa. Die Bedienung und das Interieur ist sehr authentisch. Nach einigen Minuten ist man tatsächlich in einer anderen Epoche angekommen.

 

Interessieren Sie sich für Tallinn?

Meine Eindrücke und Erfahrungen teile ich gerne mit Ihnen. Tolle Hotels habe ich während dieser Reise auch besuchen dürfen.
Hier habe ich den einen oder anderen Tipp für Sie.
Für eine Reiseberatung stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.
Ihr Christopher Schanz-Surié

Tallinn_Schloss-Katharinental
Tallinn_Rathausplatz
Tallinn - Kirche
Tallinn - Altstadt

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Ich hoffe, Sie haben meine Leidenschaft für dieses Reiseziel beim Lesen bemerkt!